Den Bildungs-Gap können wir nicht verhindern, aber:

Mit einem Master-Titel gehöre ich hier zu den weniger gebildeten Personen.



Seit einem Jahr wohne ich mit Mann + Zwerg in England. Und zwar nicht irgendwo in England: in Cambridge, der Hochburg intellektuellen Schaffens. Dort, wo Charles Darwin, Isaac Newton und Stephen Hawking gewirkt haben.

Und weil wir hier in einem Viertel wohnen, in dem fast jedes Haus der Uni gehört, sind wir im Alltag nahezu ausschließlich umgeben von:

Universitätsprofessor*innen, Preisträger*innen, Menschen mit Wikipedia-Seiten und deren nicht minder erfolgreichen Partner*innen aus dem Banken-, IT-, und Investmentbereich.

Beim Smalltalk am Spielplatz fühle ich mich manchmal wie Mr. Bean auf einer Uno-Generalversammlung. 👀

Mit meinem Masterabschluss bin ich maximal so gebildet, wie die Studis unserer Freunde, nur eben nicht auf Elite-Uni-Niveau.

Und das ist weird. Nicht, dass es mich irgendjemand spüren lassen würde ‒aber alleine das Wissen darum, „anders“ zu sein, im Sinn von „weniger gebildet“, lässt mich in manchen Diskussionen die Klappe halten.


Und jetzt überleg einmal, wie sich Menschen fühlen, die zu deiner Veranstaltung kommen und mit Expert*innen über Entsiegelung diskutieren sollen. Menschen, die vielleicht nicht wie du einen Uniabschluss haben, sondern tagsüber Regale schlichten und abends Bürotische polieren.

Diesen Bildungs-Gap können wir nicht verhindern.

Aber wir können:

1) Verständlich und ohne Fachsprache kommunizieren, sodass Laien und bildungsferne Personen sich trauen, mitzureden.

2) Formate so gestalten, dass auch Menschen teilhaben können, die noch nie von „Co-Creation-Workshops“, „Dialog-Veranstaltungen“ oder „Bürger*innenräten“ gehört haben.

3) Mensch sein. Herzlich sein. Nachfragen. Ernst nehmen. Das baut viele Barrieren ab.

Und noch etwas: Lass den Anzug im Büro.
Dein Publikum kommt direkt von der Baustelle, dem Kindergeburtstag oder aus der überfüllten U-Bahn. Dein gestriegeltes Auftreten lässt andere sich underdressed und fehl am Platz fühlen.

Beteiligung scheitert selten am Desinteresse der Menschen.
Meist scheitert sie an Sprache, Haltung und Auftreten.

Wer wirklich Beteiligung will, muss bereit sein, selbst einen Schritt zurückzutreten.

Bist du dafür bereit?

Deine Lisa ❤️

Lisa Vlasak
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